Über das Projekt

Die Erfurter Brunnenkresse gehört zur Identität der Stadt.

Sie ist mehr als ein vortrefflich pfeffriges und einzigartig gesundes Gemüse, das in den kalten Monaten ergrünt. Mit Brunnenkresse verbinden sich persönliche Geschichten der Erfurterinnen und Erfurter, Brunnenkresse ist Teil des Lebens und der Historie dieser Stadt.

Der gewerbliche Brunnenkresseanbau wurde in Erfurt erfunden. Hierfür steht der Name des Pioniers des deutschen Gartenbaus Christian Reichart. Von Erfurt aus führte der Weg auf Frankreichs Teller, da Napoleon seine kulinarische Entdeckung inklusive Gärtner (so wird gemunkelt) nach Versailles mitnahm.

Ziel ist es, Erfurt aber auch allen Genießern ein wertvolles Gemüse und eine regionale Spezialität wieder zu geben. Und ehrlich, meine Motivation ist schlicht: Ich möchte gern Brunnenkresse essen, wann immer sie wächst und ich Lust darauf habe.

Der Weg: eine Erfurter Brunnenkresseklinge wiederbeleben.

Erste Besichtigung im Frühling
Bäume und Wildwuchs überragten die ehemalige Brunnenkresseklinge und das Quellbecken.
Zuerst galt es, einen Weg freizuschneiden, um überhaupt auf das Grundstück zu gelangen.
Mit Handarbeit, Gartenschere und solcherlei Kleingerät war nichts auszurichten.
Selbst das Ziehen der abgeschnittenen Äste durchs Wasser lassen wir bald. Nasse Hosen sind nicht schlimm, doch Äste und Bäume zu viele.
Der Bagger übernimmt und leistet gute Dienste. Michael Grözinger beweist Feingefühl im Groben. Noch muss der Zimmerermeister das Kressehäuschen frei räumen. Bald kann er hoffentlich das Dach neu errichten.
Viele Bäume wurzeln auf der Quelle. Der Bagger zieht Baumstämme und sämtlichen Wildwuchs am Land. Ein Schauspiel der besonderen Art.
Später wird das Schilf entfernt. Erst dann wird mit Augen fassbar, wie groß das Becken eigentlich ist. Es misst ca. 40 Meter in der Länge und ca. 21 Meter in der Breite.
Schlammschlacht Schilfentfernung.
Passend regnet es.
Neben reichlich Blattwerk fischen wir auch Autoreifen und verblasste Gummistiefel aus dem Wasser.
Kressefunde werden in die Kinderstube überführt.
Kinderstube: An einigen Stellen hat sich Kresse versteckt. In eine Ecke des Klingenbeckens verbracht, habe ich Kressepflanzen über die Bauarbeiten gerettet. Und sie wachsen!
Reichart gelesen und die Brunnenkresseklinge verortet: Oberrieths-Gärten! Kapitel 7: „Diese Brunnenkreß=Klingern werden zum theil vor die besten gehalten, (…)“ so Reichart 1775. Wenn Reichart das sagt, lohnt es sich allemal, hier zu pflanzen! Danke an das Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation für die Geolokation mittels alter Karten!

Zwischenstand

Das ist geschafft: Die Konturen der historischen Kresseklinge konnten wieder freigelegt werden.

Wurzeln, Steine, die die Austrittsregion der Quelle behinderten, sind entfernt. Der Wasseraustritt lässt sich besonders an windstillen Tagen beobachten. Dann malt das hervortretende Wasser wie von Zauberhand Kreise mit kleinen sich immer mehr ausdehnenden Wellen auf die Oberfläche. Der Bewuchs in der Klinge wurde entfernt. Wurzeln von Schilf und Gräsern überzogen bisher den kiesigen Boden. – Aber da müssen wir nochmal ran!

Ebenso beseitigt wurden die Bäume und der Wildwuchs an Sträuchern, deren in den vergangenen Jahren herabfallendes Laub nun als schlickig klebriger Matsch den Boden bis zu 20 cm dick bedeckt. Insbesondere die vielen Brombeeren und anderen stachligen Buschwerke haben die Befreiung der Kresseanlage zu einer schmerzvollen Angelegenheit werden lassen. Aber die Kratzer heilen und das Wasser hat gut gekühlt!

Kürzlich haben starke Herren Wurzelstöcke beseitigt, um ein erneutes Austreiben der Büsche zu verhindern.

Was ist zu tun:

Reinigen der Klinge und damit der Kresse Kiesbett bereiten

Der aus Kies bestehende Untergrund der Klinge muss von den natürlichen Ablagerungen, die nun Schlick gebildet haben, gereinigt werden. Eine knifflige Angelegenheit. In mehreren Anläufen soll mit einem Brett der Schlick vorsichtig abgezogen werden und mit gezieltem Wasserspülen weggeschwemmt werden.

Absicherung des Klingenbeckens

Die steilen Hänge um die Quellregion sollen mit Natursteinen befestigt werden. Das Wasser kann dann ungehindert austreten, wird jedoch nicht von neuen Wurzeln und großen Betonsteinen behindert.

Die Böschungen der Klinge sollen befestigt werden. Das ermöglicht das nahe Herantreten ans Wasser für Besucher und den Zugang bei der Ernte und Pflege der Kresseklinge. Gleichzeitig wird das Hereinwachsen von Gräsern behindert und damit auch langfristig der Bestand der Anlage gesichert.

Instandsetzen des Kressehäuschens

Das schon auf alten Bildern gut zu erkennende Häuschen soll wieder erstrahlen. Dabei bleibt die Kubatur erhalten. Das Dach wird genauso wieder neu aufgesetzt werden, und mit Biberschwänzen eingedeckt werden.

Zukünftig soll der Ort auch dem Verweilen dienen. Auf das Wasser schauen, die Quelle beobachten, der Natur zuhören.

Gemüseanbau an den Böschungen

Christian Reichart hatte seine „Gieß=Klingern“ genutzt, um das auf den Jöhnen (lange hügelbeetartige Dämme) gezogene Gemüse zu bewässern. Um einige Fuß verbreitert nutzte man sie dann gezielt auch zum Kresseanbau und erhielten die Bezeichnung „Kresse=klingern“. Deshalb soll künftig Gemüse auf den Hängen der großen Klinge gedeihen und so ein Stück weit der Anbau nach Reichart direkt erlebbar werden.

Das Kressehäuschen zum Finger wärmen, Stiefel trocknen und Arbeitsgeräte unterstellen – bald wieder.
Innenansicht – alte Kressekisten und Gerümpel. Ok, der Schirm gehört mir.
Aus der Tür geschaut.
Die Elektrik, antik, stromlos.
Rosendekor
An den Wänden verliert das Dekor seine Rosenblätter. Nicht prioritär, aber schön wärs, dieses wieder neu aufzubringen.
Viel Mühe uns Sorgen bereitet mir noch die richtige Hangbefestigung, ohne fünstellige Kosten.
Die Hangbefestigung übernehme ich lieber mit Schaufel und Spaten. Denn der Bagger ist hier zu grob am Werk und kann ohnehin nur vom Wasser aus arbeiten. Noch ist das Wetter angenehm und nach zwei Tagen die Ecke hochgeschippt.
brunnenkresseblätter
Brunnenkresse hat sich ganz alleine im Oktober an einer Stelle des Beckens breitgemacht. Sieht toll aus!